Sage vom Tanzteich bei Niedersachswerfen

Vor langen Jahren stand an der Stelle des Sees ein stattliches Schloß. In ihm wohnte ein stolzer und wegen seines Reichtums übermütiger Ritter. Viele laute Feste und Trinkgelage feierte er mit seinen ebenso übermütigen Gästen.
An einem heißen Sommertag schmauste, trank und tanzte wieder einmal eine große Festgesellschaft auf dem Schlosse am Mühlberg. Weithin im Tal hörte man ihren Lärm. Fern über den Harzbergen aber zog dunkel und bedrohend Gewittergewölk auf. Grelle Blitze zuckten über den schwarzen Himmel, und dumpfer Donner grollte in der Ferne.
Da kam ein müder Greis in ärmlichen Gewande des Weges. Er schritt durch das Schloßtor über den Hof hinweg und betrat das Schloß. Die Knechte und Mägde bemerkten ihn nicht. Auch sie zechten und tanzten im Schlosshof wie ihre Herren oben im Festsaal.
Bescheiden blieb der Alte an der Saaltür stehen und bat die übermütige Gesellschaft um ein wenig Brot. Zornentbrannt ging der Schlossherr auf den ungebetenen Gast los, ergriff ihn an seinem zerschlissenen Rock und warf ihn kurzerhand aus dem Fenster in die Tiefe. Johlend schaute die Menge zu. Doch welch ein Entsetzen malte sich auf ihren Gesichtern!
Unten stand, von hellem Glanz umflossen, unversehrt der Alte und rief ihnen mit lauter Stimme zu: "Verflucht sei dieses Haus und jeder Stein von ihm! Verflucht sei der Herr und all sein Gesinde, verflucht die Gäste auch auf alle Zeit! Versinken soll die frevle Brut in ewiger Finsternis!"
Kaum hatte der Greis diese Worte ausgesprochen, zuckte ein greller Blitz hernieder, gefolgt von einem krachenden Donnerschlag. Vom Himmel goß es in Strömen.
Als das Unwetter vergangen war, lag an der Stelle des lauten Schlosses mit seinem übermütigen Herrn und seinen Gästen der stille See, den man heute den Tanzteich nennt.


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